Die Multinational Association for Supportive Care in Cancer (MASCC) hat es in ihrem Motto auf den Punkt gebracht: „Supportive care makes excellent cancer care possible“. Ohne optimale Verhinderung von Therapienebenwirkungen oder deren Behandlung sind auch moderne onkologische Therapien sehr toxisch und belastend. „Supportive Care“ bezieht sich also auf unterstützende Betreuung im Rahmen einer tumorgerichteten Therapie, welche eine möglichst gute Verträglichkeit der Therapie bezweckt, damit diese bestmöglich verabreicht werden kann.

Optimale Supportive Care befasst sich u.a. mit Vermeidung und Behandlung von:

• Übelkeit und Erbrechen,
• Blutbildveränderungen wie Anämie oder tiefe weisse Blutkörperchen
• Vermeidung und Behandlung von Krebs- oder Therapie-assoziierten Infekten
• Schleimhautnebenwirkungen (Mukositis)
• Durchfall, Verstopfung oder Passagestörungen
• Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
• Hautveränderungen
• Gefühlsstörungen in Finger/Hände und Zehen/Füsse als Folge von Therapien
• Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
• Schmerzen
• und viele weitere Probleme

Dies sind häufige Nebenerscheinungen von onkologischen Therapien, früher Chemotherapien aber heutzutage immer mehr auch bei molekular-gezielten Therapien oder Immuntherapien vorzufinden. Viele dieser Beschwerden sind leider auch gelegentlich Symptome von fortgeschrittenen Tumorerkrankung. Daher ist optimale Supportive Care eng verzahnt mit guter Palliativer Therapie, Supportive Care ist aber genauso wichtig in kurativen Situationen.

Gute Supportive Care braucht sehr viel klinische Erfahrung und auch Fingerspitzengefühl. Es ist eine mind. gleichgrosse Herausforderung, eine optimal dosierte, wirksame, so wenig wie möglich toxische Therapie zu geben, wie die beste onkologische Therapie auszuwählen.

Supportive Care bei uns am Tumor Zentrum

Unser Supportive Care Team besteht aus speziell geschulten und spezialisierten Pflegefachkräften und Ärzten. Bei Fragen rund um unser supportive Care Angebot können Sie sich gerne an unser Sekretariat wenden: sekretariat@tumor-zentrum.ch

Rolle von „patient reported outcomes“ in der Supportive Care

In den letzten Jahren hat es zunehmend Studien gegeben, welche einen Vorteil von frühzeitiger Erfassung von Nebenwirkungen der Therapie oder fortschreitenden Tumorsymptome gezeigt haben. Typischerweise kommen in diesen Studien Patienten Einschätzungen, sogenannte „patient-reported outcomes“ (PRO) zum Zug. Hier berichten Patienten in regelmässigen, meist wöchentlichen Intervallen über ihr Befinden – auf Computer, Tabletts oder Smartphone.

In diesen Studien hat sich gezeigt, dass frühzeitige Erfassung und Behandlung von Problemen bei Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen die Lebenserwartung um bis 7 Monate lediglich dadurch verlängert hat, dass Probleme frühzeitiger behandelt wurden als bei der konventionellen onkologischen Betreuung. Zudem verbessert sich natürlich in dieser Zeit durch abnehmende Symptomlast auch die Lebensqualität. Dies ist in sehr fortgeschrittenen Tumorsituationen ein signifikanter Gewinn an Lebenszeit mit guter Lebensqualität. All diese Studien wurden übrigens in grossen Krebs Zentren durchgeführt, in denen bereits hervorragende Supportive Care zum Standard gehörte, die nur konventionell betreuten Patienten im Kontrollarm waren somit bereits hervorragend supportiv betreut. In den angelsächsischen Ländern sind elektronische PROs in den letzten Jahren in die Krankengeschichten integriert und zum Standard geworden.

Seit Präsentation dieser Studien am ASCO 2017 haben wir im Tumor Zentrum routinemässig in vielen Situationen die Erfassung von „patient-reported outcomes“ (PRO) eingeführt. In der Schweiz ist dies noch eine Pionier-Leistung, regelmässig werden PROs nur in Bern und der Romandie erfasst.

Das Tumor Zentrum Aarau verwendet eine App, welche auf die Bedürfnisse unserer Patienten individualisiert und angepasst wurde. Hier können im Verlauf Symptome dargestellt werden, wie im folgenden Beispiel veranschaulicht wird. Man sieht dabei auch, wie gewisse Symptome im Verlauf kurzer Zeit besser werden:

Entscheidend bei Symptomverschlechterung ist nämlich, dass eine optimale Therapie eingeleitet wird, und dies möglichst bald. Wenn dies unter Gebrauch von elektronischen „patient-reported outcomes“ (PRO) stattfindet haben wir auch bereits Daten, dass die Prognose unserer Patienten entscheidend verbessert wird.

Bei vielen onkologischen Patienten bestehen von Anfang an Probleme oder Symptome, die rasch angegangen werden müssen. Dies zeigt z.B. eine Analyse von neuen Patienten im Tumor Zentrum Aarau (erste Jahreshälfte 2020). Man sieht in dieser Darstellung, dass gewisse Symptome wie Schmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Ängstlichkeit und Traurigkeit/Depression wie auch Schlaflosigkeit bei einer grossen Anzahl von Patienten am Anfang vorhanden sind (gelbe, orange und rote Balken).

Wir sind auf der anderen Seite auch froh, dass Supportive Care rasch viele dieser Beschwerden im Verlauf der nächsten Wochen verbessern konnte, wie unsere Untersuchungen dokumentieren.

Optimale Supportive Therapie braucht dafür ein gut eingespieltes und ausgebildetes Team, welches ein besonderes Auge auf diesen Teil der Betreuung von Patienten hat. Dieses besteht aus spezialisierten Ärzten, Pflegenden, einem gut geschulten Sekretariat. So sind wir zuversichtlich, dass uns berichtete Probleme, telefonisch oder via App rasch angegangen werden können.

In der Supportiven und Palliativen Sprechstunde werden viele dieser Probleme in einem multiprofessionellem Rahmen (Ärztin, spezialisierte Pflegende, Ernährungsberaterin) angegangen.